hero.

by Pyrin

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about

Eine surrealistische Hommage an das Altertum.
Produziert von LUI.
Artwork von Bella Pyrin.

credits

released October 22, 2014

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all rights reserved
Track Name: hero.
01 hero. ich schreibe Geschichte, beiß mich in der Tiefe fest
02 mit Zeilen die die meisten irreleiten wie ein Bibeltext
03 ich entweihe Heiligtümer, schleif sie in mein Liebesnest
04 und besauf mich zu Hause mit Weisheit wie Alkibiades
05 ich öffne meinen rostigen Koffer wie die Büchse der Pandora
06 tut mir leid aber mein Gott fordert Opfer
07 hol dir den doppelten Spott ab, deine tote Weltsicht hängt
08 an meiner Wand und glotzt dekorativer als Ciceros Kopf
09 auf der Rostra, in einer Welt voller Spießer
10 wo scheinbar Sieger = Helden sind und Helden = Sieger
11 liegst du in Ohnmacht eingemummelt da und fällst immer tiefer
12 während man Politik mit deinem Schicksal betreibt wie delphische Priester
13 ich spende Gift für den Demos
14 gute Menschen kommen in den Himmel, ich komm nach Delos
15 gute Genesung für den Tod und für den Weg, damit ihr mich
16 ernst nehmt, spiel ich verrückt wie Solon in Athen
17 kein Gedanke, der meine Hände nicht passier t
18 und sich am Ende nicht verliert, die Erkenntnis korrumpiert
19 es gibt nichts was sich besser liest als brennendes Papier
20 die Flammen meiner Bibliothek züngeln mit mir
21 wie Nymphen, und sie bleiben rastlos vor Wollust
22 ich gehör zusammen wie Castor und Pollux, zerfällt mein Leumund?
23 zwischen Mythos und Selbstverleugnung, purpurn
24 schimmerndes Trinkwasser schlürfend betreib ich nüchterne Quellendeutung
25 Opfer des Glaubens der üblichen Täter
26 komm ich dem Mythos schon näher oder lügt meine Feder
27 Tyche brütet wütend über meinen psychischen Fehlern
28 interessiert‘s mich was ich fresse? nicht die Bohne wie Pythagoreer




29 Mythen und Menschen, Menschen und Mythen
30 Mythen um den Mensch zu behüten, füge dich und lass
31 die Wahrheit in ihrem Grab, ich besinge meine brennende
32 Stadt – wie Nero, zumindest sagt man mir das nach –
33 wie Nero, ich richte mich nach zwielichtigen Riten
34 les Leviten um sie dann mit sieben Siegeln zu verschließen
35 ich verlier an Tiefe, fliehe ins Exil, um nicht zu fliegen
36 und muss mein Zuhause neu erobern wie die Herakliden
37 wunderschön, du behandelst deinen Mundstuhl wie ne Couch
38 dein Haus besteht aus Asche und das Grundbuch ist verstaubt
39 nichts für ungut, ich bin raus; etwas flüstert mir ins Ohr ich sei nur ein
40 Mensch doch der Lärm meines Triumphzugs ist zu laut
41 Allerdings hätt ich den Unfug nie geglaubt
42 (ich sprech nur mit mir selbst, mach den Mund zu, ich bin taub)
43 ich behaupte: wenn ich Thesen behaupte, behaupten sich meine
44 Thesen sobald mich jemand enthauptet mit meinem Haupt
45 kurz vor dem Ziel fehlt mir der Atem um mich warmzulaufen
46 doch wir reisen schneller als Jason und die Argonauten
47 komm, wir beweisen unsere Weisheiten durch Aberglauben
48 schielend schlafen unsere Argusaugen
Track Name: Diogenes
01 mit dem Kopf durch die Klagemauer, die wohlig-warme
02 Wolldecke der Dunkelheit lastet auf mir wie ein Schadenzauber
03 schnaufen bis zur After-Hour, hinter meinem Atem lauert
04 das dreckige Lachen eines sich von Schwarzer Krauser
05 ernährenden starken Rauchers, Gott ist nicht hier
06 nur ein Engel der bemüht ist, seinen Job zu verlieren
07 tausend Stimmen, die meinen Kopf penetrieren, ich zerspring
08 zu tausend Scherben, jetzt dürft ihr mich ostrakisieren
09 im neunten Monat schwanger mit dem Gedankenkind
10 steck es in die Vorratskammer zu den anderen und
11 der Sandmann darf davon nichts wissen, doch ich bejahe
12 seine Fragen durch sekundenschlafbedingtes Nicken
13 aber aber, bist du brav oder böse? nur ein kleiner Teil
14 des großen Films, halb Tragikomödie, halb Tragikomödie
15 wir verblöden und halten uns ohne Grund am Boden fest
16 streichel und schlag mich, ich bin ein Hund wie Diogenes



Ich kämpfte, bestand meine Prüfung, fand
Mein Vergnügen, frei bin ich noch immer nicht,
Ich suche wie ein Tor nach dem Gefühl, mich zu fühlen
Suche wie ein Tor nach dem Gefühl, nichts zu fühlen
Gestern war ich freudig und verstand meine Fügung, stank
nicht nach Lügen, heute bin ich außer mir und
suche wie ein Tor nach dem Gefühl, mich zu fühlen
suche wie ein Tor nach dem Gefühl, nichts zu fühlen



01 junger Freund, geh und finde dein persönliches Gift
02 und üb den Köterblick vor deinem Spiegel, schön für dich
03 aber leg mir nicht auf den Teller, was dein Leben zerfrisst
04 jeder weiß selbst am besten was für ihn am schädlichsten ist oder nicht?
05 es kann kein Fehler sein, was Falsches zu machen
06 deine Hintergründe sind Kulissen, alberne Attrappen
07 seien wir ehrlich und verhalten uns wie Affen, ich leb in einem
08 bodenlosen Fass, das ich nur verlass, um mich fallen-
09 zu lassen, nur dann sieht mich die Öffentlichkeit
10 fall ich zu tief, fall ich wieder durch die Öffnung hinein
11 wär ich frei, wär ich ein wildes Wesen ohne jeden Wunsch
12 wer spendet einen Knochen für Diogenes den Hund?
13 du mieser Lump, hast du dich aus deiner Schublade geträumt?
14 nimm du die Drogen, ich die Wirkung, keine Ursache mein Freund
15 schau in den Himmel, die Sonne hat sich wieder hinterm Mond versteckt
16 wär ich nicht Pyrin, wäre ich wohl am liebsten Diogenes


01 hörst du mich? Dann weißt du dass die Drogen dir nicht reichen
02 mein hoffnungsloser Zynismus lässt Diogenes verzweifeln
03 wir kommunizieren über Illusionen, die wir teilen
04 und treffen uns in Gedanken, Iso-lation kann uns
05 vereinen, ich helf dir deine Logik zu verneinen
06 stell deine Frage richtig und ich belohne dich mit Schweigen
07 lad dich ein, dieses frivole Symposion zu begleiten
08 so verschieden wie wir leben, lässt der Tod uns nicht verscheiden
09 deine Tatsachen dürfen sich verpissen, du erfüllst in einem
10 Glaskasten bürgerliche Pflichten, ich beginn in meiner
11 Tarnkappe fürchterlich zu schwitzen, würde Leidenschaft nur
12 Spaß machen, würd ich drauf verzichten, ehrlich
13 wenn es wieder mal Goldmünzen regnet, schütze deine Schädeldecke
14 nichts ist überflüssiger als Nebensätze, die schön sind
15 wir spaßen bis zum Totenfest, und wenn mich nichts
16 mehr beeindruckt raube ich mir selbst den Atem wie Diogenes
Track Name: Aurelius
01 ich denke, ich spreche, ich maloche und ich schufte
02 wir leben nicht, wir schälen den Tod aus seiner Kruste
03 Bruder, schone deine Spucke, wir wissen seit Sokrates
04 nichts Neues, außer dass Sokrates nichts wusste
05 ich bin ständig aus der Puste und keuche in allen Lebenslagen
06 feier mit Dionysos und bete für den Leberschaden
07 läute den Winter ein so wie Persephone im Hades
08 unserer Beziehung fehlt die Schädelbasis, Brüche
09 kommen und gehen, um meine Seele zu behüten
10 am meisten hab ich davon, mich mit wenig zu begnügen
11 eine Chance, mich um mein Leben zu betrügen, erst
12 schlag ich Wurzeln und dann tret ich sie mit Füßen, allein
13 aus Pflichtgefühl kommt meine Freude abhanden, meine Überzeugung
14 zwingt mich gegen meine Überzeugung zu handeln
15 der Teufel kann mich mal, Überlebenstrieb ist keine Lebenslust
16 ich herrsche wahrscheinlich wider Willen wie Aurelius



Aurelius – sag, hab ich dieses Los denn nicht verdient?
Ein Philanthrop zieht in den Krieg, ein Philanthrop, der sich nicht liebt
Aurelius – kein Platz in diesem üblen Universum
Herrscher wider Willen, bemüht um Selbstbeherrschung
Aurelius – ich habe dieses Los niemals verdient
Zwischen Tod und Krieg, stoisch-depressiv
Lass mich hungern und mich geißeln wie echter Philosoph
Aurelius, Aurelius, ich lechze nach der Not



01 als mein Wille Fahnenflucht begingt, und in einer
02 Fantasiesprache Parabeln in Karomuster schrieb
03 wollte ich sprechen, und als ich eines Tages wusste wie
04 da sprach ich und begriff nicht warum Zarathustra schwieg
05 die Wirklichkeit hat sich in geistige Magersucht verliebt
06 wozu mit Perlen begnügen, wenn man Hasenfutter kriegt
07 womöglich hatten sie den Gnadenschuss verdient, doch ich blieb
08 weil selbst die Vogelscheuche ihre Rabenmutter liebt
09 bin ich ein Gutmensch, der an Boden verliert? Oder ein Herrscher
10 der sich um gut da zu stehen als Philosoph inszeniert
11 zurück zum Tier, doch nicht einmal die Hunde sind perfekt
12 ich erwachse dem Humus der mich zugrunde gehen lässt
13 ich bin ein humpelndes Insekt, ein heilige Scheiße schiebender
14 Skarabäus, widerwillig distanziert
15 wie Mars und Venus, ein Lebemann ohne Lebenslust
16 ich herrsche womöglich wider Willen wie Aurelius
Track Name: Orpheus
01 ich brauch es, es holt mich aus dem anspruchslosen Land des Todes
02 nicht da, wo ich mich haben will wie eine Wanderhode
03 verlockende Angebote, ist es fort ist es meine
04 Herrin, ist es bei mir, ist es meine Kammerzofe
05 es löscht mein Gedächtnis, verpiss dich aus meiner Brandschutzzone
06 und mach die Menschheitsgeschichte zu einer Anekdote
07 wie eine verdammte Droge, ist es Liebe oder
08 Sucht, wo ist der Unterschied, wichtig ist ich kann auch ohne
09 doch ich muss ja nicht, wunderbare Jahre
10 und das Seelenheil der Welt das ich mit Undank bezahle
11 ich bin sein Hund, ich bin sein Sklave, es gräbt mir eine
12 grässliche Grube auf deren Grund es auf mich warten
13 sollte, ich sing bis mir der Burnout droht
14 mein Herz klagt kopf- und meine Stimme körperlos
15 denn mir sind alle anderen Dinge nichts wert
16 ich schrei danach und Apollon hat meine Stimme gestärkt



Steig um es zu holen in den Hades so wie Orpheus
Trennt mein Herz von meinem Kopf als wär ich Orpheus
mein Mund hört nicht auf zu klagen wie der von Orpheus
singe wie Orpheus, ende wie Orpheus
es folgt mir oder ich ihm wie Orpheus
doch ich dreh mich nach nichts um wie Orpheus
Meine Lefzen lechzen wie die von Orpheus
Sing nach dem Ende und ende singend wie Orpheus



01 ich versteh nur Abrakadabra, doch sein stummes Trällern
02 macht mich an Abraxas glauben wie Carlos Santana
03 nenn es nicht Fata Morgana, ich weiß, es ist hier hinter mir
04 denn wenn ich mich umdreh, seh ich dass es gerade noch da war
05 absurd aber wahr, ich seh sein unsichtbares süßes Glänzen
06 Apollon gab mir meine Stimme um dafür zu kämpfen
07 gänzlich verrückt, ich kann es nicht greifen also steig ich
08 in den Hades und hole meine leeren Hände zurück
09 ich hab es noch nie gesehen, doch es scheint wirklich zu sein
10 vorausgesetzt mein armes Hirn ist nicht beschädigt
11 ich weiß nicht was es ist, doch ich stürz mich hinein
12 benennt es einfach nach dem der darin stirbt, wie die Ägäis
13 ist es möglich, Licht aus meiner Blindheit zu schöpfen?
14 mein Durst ist nur noch durch Ertrinken zu löschen
15 denn mir sind alle anderen Dinge nichts wert
16 ich schrei danach und Apollon hat meine Stimme gestärkt
Track Name: satura lanx
01 die Spiele sind eröffnet, wir verkleiden unser Fleisch mit Gold
02 gestern gab es Dekadenz, heute gibt es keinen Stolz
03 frönt dem Ritus, verteilt den unverdünnten Wein ans Volk
04 die Eingeweide der Opfertiere glucksen verheißungsvoll
05 wir tragen die Kleider der Hierophanten
06 lasst uns kreischen, lasst uns tanzen, uns streicheln und misshandeln
07 lasst uns mit ausschweifendem Verlangen feiern wie Bacchanten
08 und auf dem Heimweg eifrig alles, was uns heilig ist, zertrampeln
09 der Alltag malt uns die Erschöpfung ins Gesicht
10 Zeit zu leben, ergo bibamus, die Götter trinken mit
11 unser Einsatz ist das Leben und wir spielen bis zum Tod
12 und degenerieren im Zeichen der Zivilisation
13 es gibt kein richtig und kein falsch, nur die Schönheit des Seins
14 bis zum Gipfel des Olymp, ertönt unser Geschrei
15 wir kehren die Ordnung um, die Vöglein sind frei
16 und die Sklaven werden Könige sein



Spür den Dunst, atme ein, lass den Geist wieder frei
Schmor das Fleisch, sei bereit für das Ende deiner Qual
Scheiß dich ein, reiß dich auf, heb das Bein und vertrau
deinem Ursprung, Kohlenstoff kennt keine Moral
Spür den Trieb, spür das Tier, schäl das Fleisch von den Knochen
Fühl dich nackt, fühl dich frei, fühl dich fröhlich-wutentbrannt
zeig uns allen wer du bist und wir erkennen wer wir waren
nur die Karikatur unserer selbst – satura lanx



01 endgültig entartet es riecht nach Ruß und Flatulenzen
02 Brüder und Schwestern, lasst euch nicht von Tugenden verblenden
03 wir bilden die Quintessenz, die Zukunft aller Menschen
04 malen unser Sittengemälde mit Blut und Exkrementen
05 Zeit unser wahres Wesen auf Händen zu tragen
06 und im Regen der Körpersäfte ein Tänzchen zu wagen
07 ein freud’ger Reigen aus identischen Affen, und alle die
08 noch an irgendwas glauben dienen uns als menschlichen Fackeln
09 wir tragen nur noch unsere Haut und einen dünnen Film aus Rattenblut
10 wir ziehen uns weiter aus, wir fühlen uns noch nicht nackt genug
11 unser Drama kennt nur einen Akt und eine Szene
12 ist es tragisch oder komisch, egal, wir lachen Tränen
13 lasst uns alles niederbrennen, der Phönix will heim
14 bis zum tiefsten Grund des Tartaros ertönt unser Geschrei
15 wir verblöden glücklich in diesem berauschenden Traum
16 ob wir es morgen noch schaffen, uns in die Augen zu schauen?
Track Name: Tartaros
01 schummriger Spelunkenduft, ich schlürf den ersten Drink
02 massier den wunden Punkt, meine Lunge zuckt unter Druck
03 der Raum steht voll Rauch und mutiert zu einer dunklen Gruft
04 mit jedem flüssigen Gedanken den ich runterschluck
05 ein Ort an dem man uns Mistkäfer braucht, meine fleisch-
06 umwickelte Säuferseele hustet eine Fischgräte aus
07 die Kneipe scheint zu fallen und beflügelt mein Benehmen
08 mein Magen schwebt über meinem Schädel, mein innerer
09 Parasit sabbert gierig, doch mein Herz ist nicht mehr da
10 augenscheinlich ernährt er sich von Aas, ich trinke Trost
11 für jeden ärgerlichen Tag, der eselsköpfige Barkeeper
12 spuckt für ein paar Münzen mehr noch etwas Nervengift ins Glas
13 fünfter Drink, meine Fahne ist gehisst
14 auf Halbmast halten meine Nasenhaare sie im Griff
15 die Luft verdunkelt sich unter der Klarheit meines Blicks
16 morphen die Wände zu meiner zweiten Haut, sie atmet und sie schwitzt
17 in praller Hitze mutieren die anderen Gäste
18 lassen sich auf den Bauch fallen und kriechen auf allen sechsen
19 neben mir trinkt einer gleichgültig weiter während der Raum zerfließt
20 ob er das alles auch so sieht? Ob er sich auch sieht?
21 allmählich sinkt die Neige meines Glases immer tiefer
22 vor der Theke paaren sich grunzend ein Satyr und ein Priester
23 die Bedienung zeigt den stolzen Nilpferdzahn in ihrem Kiefer
24 während sie mir eine Schale Ungeziefer vor die Nase stellt und
25 wiehert; wann lassen mich die Wahnsinnigen gehen?
26 ich bin der Ixion an dem Rad an dem sie drehen
27 meine Blase drückt extrem, ich wate durch knöchelhohen
28 Schlick auf das von Zentauren belagerte WC
29 ein verkrüppeltes Wesen, atmet Kippenrauch
30 und bildet graue Blasen in seinem flüssigen Schädel – Blase leeren:
31 Blut pissen, runterspülen, Hände waschen, weitertrinken,
32 Hände schütteln, Hände waschen, Hände waschen, Eiter pinkeln
33 Tantalos im Tartaros zur Trockenheit verdammt
34 was ich trinke, rinnt sofort durch meine Poren an der Wand
35 und verflüchtigt sich zu Nebel, so schwarz wie die Nacht
36 der mich träumt und meine Wirklichkeit zum Schlafersatz macht
37 zurück zur Bar, ich luge durch milchige Scheiben, doch sehe glasklar
38 dort wartet ein weibliches Steinchen im Krater und zwinkert mir zu
39 ein einziges Drama, sie umschlingt mich den haarig
40 behuften Beinen des heiligen Satan, heiliger Vater
41 ich befreie mich und verschanz mich in der Ecke, Höllenhunde
42 nagen an den klappernden Knochen von tanzenden Skeletten
43 ich kann mich nicht wiederfinden, sie quieken und winseln
44 während Motive hinter ihrem debilen Grinsen im Nichts verschwinden
45 Picknick am Wegesrand, als Pluton meine Seele fand
46 sah er nur einen Gegenstand für den Trophäenschrank
47 nun schmor ich hier, mein Leben lang, das letzte woran ich mich erinner
48 ist wie ich Feuerwasser aus dem Lethe trank
49 ich taumle zwischen Wahnsinn und Panik, Panik
50 mein Geld ist nichts mehr wert ich trinke auf Organspendenbasis
51 Prost!, es ist ein blutrünstiges Geben und Nehmen
52 wer hat ein Herz für ein lebendes Verwesen?
53 verdammte Spelunke, genug danebenbenommen
54 doch der dreiköpfige Hund lässt keine Seele entkommen
55 meine Schlinge zieht sich enger, ich erstick an der Szene
56 doch plötzlich lichtet sich der Rauch, ich sitze an der Theke
57 und leere Gläser mit Minos, betrunkene beschnabelte
58 Alpdruckgestalten laben sich an der Leber des Tityos
59 ich trinke ziellos, lieblos liebkost
60 mich meine Ich-Losigkeit wie ein schädliches Virus
61 Minos spricht zu mir: Kopf hoch, dein Richter ist hier
62 wir haben dich eingehend geprüft und dein Gewissen seziert
63 Fazit: von nun an wird dein Dasein von nimmer endendem Schmerz bestimmt
64 schummriger Spelunkenduft, ich schlürf den ersten Drink



Und ich falle immer tiefer – wie ein Amboss in den Tartaros
Fallen, fallen – wie ein Amboss in den Tartaros
Neun Tage und tiefer – wie ein Amboss in den Tartaros
Wie ein Amboss in den Tartaros, Tartaros
Ein fallender Titan – wie ein Amboss in den Tartaros
Fallen, fallen – wie ein Amboss in den Tartaros
Neun Tage und tiefer – wie ein Amboss in den Tartaros
Wie ein Amboss in den Tartaros, Tartaros
Track Name: Briefe an Dionysos
01 verehrter Dionysos, lass uns das Land unterwerfen
02 du bist das Strahlen und der Glanz in den Sternen, ein Bann für die Schmerzen
03 los, füll meinen Tank mit deinem Trank bis ich leer bin
04 auf kultivierte Barbarei und die Tyrannen, die dich ehrten
05 weißt du noch, wie wir damals, als Eltern und Kinder schliefen
06 Hirnzellen ins Wasser warfen und das Spiegelbild der Welt
07 verschwimmen ließen, ich kann nicht mehr im selben Zimmer liegen
08 ohne dran zu denken, wann dürfen wir endlich wieder spielen?
09 wie in alten Zeiten voller Freiheit und Durst, beide Erstgeborene
10 du vor, ich nach deiner zweiten Geburt
11 mein Geist war nie bereit für lebenslanges Fasten
12 wenn ich nicht wusste wohin durfte ich stets bei dir umnachten
13 so trieben wir beide gegen den Strom, wo bist du hin?
14 naschtest du im Hades zu viel von Persophones Mohn?
15 manchmal scheint es mir schon fast, als hätt ich alles nur geträumt
16 hochachtungsvoll, Pyrin, bis bald, mein alter Freund



Dionysos, ich lechze nach deinem Faust hieb
Ich seh die Welt und tu alles um zu vergessen wie sie aussieht
Meine Gedanken stecken fest in grauen Zellen und sind schlapp
drum streu den Stoff in meinen Wein der mich die Welt vergessen macht
weil mich die Welt vergesslich macht, werd ich niemals wirklich klüger
und lese täglich in meinen Fiebertraumtagebüchern
ich bin kein Lügner, ich bin ein ernstlich verwirrter Mensch
auf der taumelnden Suche nach Sternchen am Hirnament



01 verehrter Dionysos, bald verfliegt all meine Kraft
02 nun schreib ich dir schon wieder aus der tiefen, kalten Nacht
03 mein letzter dumpfer Schrei hat keinen Widerhall gebracht
04 ich frage mich ernstlich, ob du meinen Brief erhalten hast
05 ich weiß nicht wo du dich versteckst, nur deine Bilder sind noch da
06 selbst die alte Demeter heilte den Pilz den du ihr gabst
07 hörst du nicht wie wir dich brauchen? Siehst du nicht die Theaterstücke
08 komm und verteile endlich Gnadenschüsse, ohne dich
09 bin ich ein wandernder Planet, der jeden Tag aus der Bahn schwebt
10 ernähre mich von rohem Fleisch, weil alles gar nicht mehr klar geht
11 sag adé, doch wenn du gehst, musst du auch kommen, ich hab die
12 Vergangenheit abgeschlossen und benehme mich benommen
13 all das zehrt an meiner Kraft, dein Stab lehnt noch immer
14 am Bücherregal, dort wo du ihn stehen lassen hast
15 wenn du mir Hoffnung bringen kannst, nimm ihn am besten wieder mit
16 hochachtungsvoll, Pyrin, P.S. du wirst vermisst



Dionysos, ich lechze nach deinem Faust hieb
Ich hab die Wahrheit gesehen, aber vergessen wie aussieht
bitte komm zurück, spende meinem Kadaver neuen Saft
Und streu den Stoff in meinen Geist, der mich die Wahrheit sehen macht
Weil mich die Wahrheit sehnlich macht, werde ich niemals wirklich klüger
Und schreibe mit Säure in meine Fiebertraumtagebücher
Ich bin kein Lügner, ich bin ein göttlich verwirrter Mensch
Auf verschwommener Suche nach schwarzen Löchern am Hirnament



01 verehrter Dionysos, bitte sag nicht es sei hybris
02 in deinen Augen wirkt es vielleicht schadenfroh und zynisch
03 mal ehrlich, ich weiß selbst nicht ob es dafür noch zu früh ist
04 doch mein Bart ist lang geworden und dein Stab steht mir vorzüglich
05 ich leb als könnt ich schweben, doch muss auf dem Boden bleiben
06 um jedem die Chance zu geben mit mir unterzugehen
07 alle verschwimmen und sinken auf den Boden meines Glases
08 alle heißt alle, holt die Toten aus dem Hades, reicher denn je
09 bin ich doch wesentlich abgebrannter, begleitet von Satyrn
10 Mänaden Silenen und ewigem Katzenjammer
11 leergepumpt und übernächtig, doch zu flüchten wär Bewegung
12 ich bin süchtig nach Ekstase, süchtig nach Verehrung
13 wenn sie abends ins Bett gehen und meinen Namen nicht erwähnen
14 lass ich ihre Gemächte faulen wie du damals in Athen
15 als glich ich deinem alten Ich, 1:1, selbstzerstörerisch
16 doch unsterblich, eigentlich sollte das Ganze dein Job
17 sein, ich nasche zu viel von Persephones Mohn
18 lebe und gebe psychedelische Visionen zwischen Leben und
19 Tod, ich zog durch jedes noch so zünftige Revier
20 neulich glaubte ich dich zu sehen, nüchtern und rasiert
21 ob du nun glücklich bist mit dir, vielleicht erinnerst du
22 dich in melancholischen Zeiten doch an mich und süffelst ein paar Bier
23 doch du bist mir so fremd geworden, dass ich nicht weiß wie die Welt sich dreht
24 hochachtungsvoll, Dionysos, danke für das Selbstgespräch